Marte Meo erobert Lübeck

Begründerin Maria Aarts beim Kitawerk-Fachtag

06.11.2019

Die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte nehmen zu. Das Ev.-Luth. Kindertagesstättenwerk (Kitawerk) Lübeck lädt darum regelmäßig Experten ein, um das pädagogische Fachwissen seiner Mitarbeitenden zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Jetzt lockte eine internationale Koryphäe 400 Erzieherinnen und Erzieher und weitere Fachkräfte in die Media Docks: Die niederländische Pädagogin und Autorin Maria Aarts vermittelte dort die von ihr begründete, videobasierte Methode „Marte Meo“ (lateinisch für „aus eigener Kraft“). Zudem berichtete die Erzieherin Barbara Müller, seit 2018 zertifizierter „Marte Meo- Therapist“ und -„Colleague-Trainer“, über die praktische Umsetzung in der Moislinger Kita Wichern I.

Seit den frühen neunziger Jahren hat Maria Aarts (69) Marte Meo in mehr als 50 Ländern etabliert. Auch das Kitawerk schult seit einigen Jahren Fachkräfte in der Methode, die als anschauliche Erziehungshilfe dient und es auch Eltern erleichtern soll, ihre Kinder zu verstehen. „Ihr seid so wichtig“, wandte sich Maria Aarts an ihr gespanntes Publikum. „Durch Marte Meo könnt ihr den Kindern dabei helfen, ihre inneren Goldminen zu entdecken.“ Wie das gelingen kann, zeigte die Pädagogin anhand von kurzen Videos.

Diese vermitteln positive Beispiele von Kommunikation mit Babys und Kleinkindern: eine Mutter mit Krabbelkind am Wasserhahn in der Küche, ein Vater im „Dialog“ mit seinem Baby oder Erzieherinnen in der Kita, die die Handlungen der Kinder benennen und bestätigen. Immer geht es Maria Aarts darum, Kindern Zeit und Freiraum zu gewähren und  - durch Sprache, ein freundliches Gesicht und eine wertschätzende Haltung -  in dem zu bestärken, was sie tun. Die Erwachsenen schenken dem Kind ihre Aufmerksamkeit und „teilen das Gefühl des Kindes“, wie Aarts sagt. Sie nennt es auch „das goldene Geschenk“. Dieses befördere letztlich die positive Entwicklung des Kindes. Wissenschaftlich untermauert sei dies durch die Hirnforschung: „Viele gute Gesichter und viele gute Töne sorgen für eine bessere Vernetzung im Gehirn“, so die Expertin, die unter anderem auch mit autistischen Kindern gearbeitet hat.

Die begeisterten Zuhörerinnen und Zuhörer erlebten einen anschaulichen, lebendigen und humorvollen Vortrag, der Kopf und Herz gleichermaßen ansprach. „Maria Aarts verstand es, von Anfang an eine positive Atmosphäre zu erzeugen“, zeigte sich die Sozialpädagogin Manuela Brocks angetan. „Der berühmte ,Funke‘ ist übergesprungen und wird helfen, Marte Meo nachhaltig in die Kitas zu tragen.“ Bereits im kommenden Jahr werde das Kitawerk weitere Fachkräfte schulen, kündigt die zukünftig als „Marte Meo Supervisor“ zertifizierte Fachberaterin für Pädagogik und Projekte beim Kitawerk an.

„Dieser Fachtag sollte ein Signal geben“, sagt Nadine Wiederhold, Pädagogische Leiterin des Kitawerks. „Alles, was nötig ist, um Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten und zu fördern, ist bereits da. Marte Meo ist das Instrument, das Kompetenzen und Ressourcen freilegt – in Fachkräften genauso wie in Kindern. Es passt perfekt zu unserem aktuellen Themenschwerpunkt ,Erziehung ist Herzenssache‘. Mit diesem wollen wir Kinder in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen“, so die Diplom-Pädagogin. Die im vergangenen Kitajahr gestartete Veranstaltungsreihe wird in diesem Herbst fortgesetzt und konzentriert sich nun auf Elternveranstaltungen. Bis Ende 2020 sind z. B. pädagogische Vorträge zum Thema Grenzen setzen, Entwicklungsbegleitung, Medien und Ernährung geplant.

Das Kitawerk, eine gemeinnützige Tochter der Gemeindediakonie Lübeck, ist der größte Träger von Kindertageseinrichtungen in der Hansestadt. Mehr als 500 Mitarbeitende gehören dazu, betreut werden rund 2000 Kinder.

Maria Aarts zog mit ihrem lebendigen Vortrag rund 400 Kita-Mitarbeitende in ihren Bann.

Manuela Brocks, Christian Deters und Dorothea Wolf (v. l.) sowie Nadine Wiederhold (r.) vom Kitawerk freuten sich über den gelungenen Fachtag mit Maria Aarts (2. v. r.).