Meine fünf unveräußerlichen Freiheiten

Zu sehen und zu hören –
was in mir ist und mit mir ist.
Und nicht, was dort sein sollte,
dort war oder vielleicht sein könnte.

Zu sagen – was ich fühle und denke,
und nicht, was ich sagen sollte.
Zu fühlen, was ich fühle,
und nicht das, was ich fühlen sollte.

Zu fragen, was ich möchte,
und nicht warten, warten, warten auf Erlaubnis.
Zu wagen, was mich reizt,
statt immer nur „Sicherheit“ zu wählen!

Ich probier`s einfach aus!

Virginia Satir

Dieses Gedicht sagt schon viel über unseren Umgang mit den uns anvertrauten Kindern aus. Die Kinder sollen bei uns in der Kindertagesstätte ihre Umwelt ganzheitlich wahrnehmen -  im Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten und Bewegen. Genauso ganzheitlich nehmen wir die Kinder mit der Gesamtheit ihrer Bedürfnisse wahr. Dazu gehört das Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung, nach körperlicher Versorgung und Zuwendung, nach Stabilität und Kontinuität der Beziehung, sowie nach Bestätigung. Dabei können die Bedürfnisse der einzelnen Kinder sehr unterschiedlich oder gegensätzlich sein - trotzdem gehören sie zusammen, oder bedingen sich gegenseitig.

Individualität zeigenGemeinsamkeiten entdecken
Freiheit habenOrientierung finden
Neues erlebenVertrautes wiederfinden
Bewegung habenzur Ruhe kommen
Sich behauptensich verkriechen
Klein seinGroß werden

Dazu gehört auch unser Bild vom Kind, das wir hier in  drei Sätzen wiedergeben möchten:

  • Jedes Kind ist auf seinem Weg zu einer eigenen, unverwechselbaren Persönlichkeit.
  • Jedes Kind hat eigene Interesse, Talente und Begabungen.
  • Jedes Kind ist eine unverwechselbare Gabe Gottes und von Ihm genauso gewollt.

Um die Kinder und ihre Eltern auf diesem Weg zu begleiten, sehen wir unsere Arbeit als eine Ergänzung und Unterstützung zur familiären Erziehung, wobei das Wohl der Kinder für uns immer im Vordergrund steht. Unsere Kita soll deshalb für alle Kinder ein Ort für kindgemäßes Lernen sein. Er soll Spiel, Lern- und Lebensraum sein. Damit Kinder sich zu selbständigen, handlungsfähigen und liebenden Menschen entwickeln können, brauchen sie die liebevolle Anwesenheit, Unterstützung und Achtsamkeit der Erzieherin, aber auch deren Zurückhaltung und Vertrauen in die Eigenkräfte der Kinder. Nur so können sie Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen entwickeln. Auf dieser Grundlage begleiten wir die Kinder durch ihre Kitazeit.

In der Zusammenarbeit mit den Eltern möchten wir eine Atmosphäre schaffen, in der ein vertrauensvolles, offenes Miteinander gut möglich ist. Dabei sehen wir die Eltern als Fachleute der familiären Erziehung und Bildung. Wir - die pädagogischen Mitarbeiterinnen als Fachleute für die Erziehung und Bildung außerhalb der Familie - streben zum Wohle der Kinder einen regen Austausch miteinander an.

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Beziehung“

Virginia Satir

„Was ist Ewigkeit? Wo ist der liebe Gott? Warum können Vögel fliegen? Liegt Omi wirklich auf dem Friedhof, oder ist sie jetzt ein Engel?“ Diese Fragen stellen uns nicht nur unsere Kinder, wir stellen sie uns auch selbst. Deswegen besteht unser religionspädagogischer Ansatz auch nicht darin, den Kindern vermeintlich fertige Wahrheiten über Gott und die Welt zu erzählen, sondern mit ihnen gemeinsam nach Gott zu fragen.

Die Welt mit den Augen der Kinder zu sehen und gemeinsam mit ihnen auf Gottsuche zu gehen, prägt unsere religionspädagogische Arbeit. Denn die Suchbewegung des Glaubens ist für uns die eigentliche christliche Haltung. Der Glaube an Gott stellt sich nach unserer Erfahrung nicht von selbst ein. Das eigene Bild von Gott ist vielmehr ein Ergebnis des Hereinwachsens in persönliche Antworten inmitten einer lebendige Gemeinschaft von Gottsuchern.

Wir begleiten die Kinder auf diesem Weg des Ausprobierens und Vortastens im Glauben. Dabei nehmen wir unsere Rolle als Vorbilder ernst. Wir feiern mit den Kindern den Jahreslauf unserer religiösen Tradition: Wir erzählen, wie Gott Mensch wurde, wie Jesus starb und auferstand, wie Gottes Kraft die Freundinnen und Freunde Jesu begeisterte und wie Gott uns und alle Menschen in ihrem Leben begleitet.

Christliche Erziehung ist für uns eine Einladung zum Gespräch mit Gott und den Menschen. Dieses Gespräch in seinen verschiedensten Formen und Farben ist fester Bestandteil unseres täglichen Kindergartentages. Das Gebet vor dem Essen gehört für uns genauso dazu wie die freundliche Begrüßung jedes Kindes, die Stärkung des Selbstbewusstseins in Konflikten ebenso wie gegenseitige Wertschätzung und Hilfestellung zur Bitte um Entschuldigung.

Alle Menschen sind vor Gott gleich, und Gott liebt sie auf ihre je eigene Art und Weise. Aus diesem Glauben heraus gestalten wir unseren Kindergartenalltag. Denn der Glaube ist nach unserem Verständnis von Religion gerade für Kinder zuallererst eine Atmosphäre, die zum Leben dazugehört. Deswegen möchten wir ihnen in unserer religionspädagogischen Arbeit einen Raum eröffnen, den sie mit ihren eigenen Wünschen, Ängsten und Hoffnungen betreten können. So lernen sie leben.

Gottesdienst

Ganz konkret feiern wir regelmäßig Andachten und gestalten gemeinsam mit den Pastoren unserer Gemeinde Gottesdienste. Vor allem unsere Familiengottesdienste sind lebendig und voller Aktionen. Zu ihnen sind - wie zu allen unseren Gottesdiensten und Andachten - Menschen aller Religionen eingeladen. Gerade weil für uns die Suche nach Gott im Zentrum unseres Glaubens steht, freuen wir uns, wenn wir auf diesem Weg gemeinsame Schritte mit anderen Gottsuchern gehen können.

Eine lebendige Beziehung untereinander und zu Gott ist unser Ziel, die wir fröhlich und mit großer Neugier jeden Tag aufs Neue miteinander gestalten.